BITESCREEN
User Overview in Movies
6.1Avg. User Score
User Score Distribution
positive
29(38%)
mixed
43(57%)
negative
4(5%)
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Movies Scores
Apr 15, 2019
Burning5
Apr 15, 2019
Im wuseligen Seoul trifft Jong-su zufällig seine alte Mitschülerin Hae-mi wieder – die den schüchternen Tagelöhner kurzerhand zum schnellen Sex ins Mini-Apartment einlädt. Als Gegenleistung passt er ein paar Tage auf ihre Katze auf, als Hae-mi in Afrika urlaubt – und mit dem hübschen wie stinkreichen Ben (Korea-Starexport Steven Yeun) im Gepäck wiederkommt. Zu dritt trifft man sich zum Fine-Dining, Feiern im Club oder zum Kiffen auf dem Land – wo Ben Jong-su schließlich ein dunkles Geheimnis anvertraut. Dann verschwindet Hae-mi plötzlich. Eine unerreichbare Frau, Jazz und eine komische Katze: Die Haruki-Murakami-Verfilmung Burning hat einige Lieblingsthemen des Erfolgsautors an Bord. Und auch Regisseur Chang-dong Lee gibt sich nicht mit nur einem Genre zufrieden. So dümpelt der überlange Film ewig als gut gespieltes und stimmungsvolles Mystery-Liebesdrama herum, nur um sich im letzten Drittel plötzlich in einen uninspirierten und zudem vorhersehbaren Krimi zu verwandeln.
Nov 14, 2018
Halloween4
Nov 14, 2018
Genau wie H20 ignoriert der neue Halloween alle Sequels des Kult-Slashers von John Carpenter und setzt stattdessen direkt danach an: 40 Jahre später bricht Messerstecher Michal Myers aus der Psychiatrie aus und attackiert ein weiteres Mal Laurie Strode, ihren engsten Familienkreis und eigentlich die ganze Nachbarschaft Haddonfields. David Gordon Green inszeniert seine Rückkehr als furztrockenen Amoklauf mit lahmem Einstieg und deutlich mehr stilistischen Anleihen ans ruppige Rob-Zombie-Remake als an den subtilen Erstling. So richtig spannend ist das deswegen nie – und interessant schon gar nicht. Halloween hat trotz Lauries Alkoholismus, ihrer Paranoia und dem zerrütteten Verhältnis zu ihrer Tochter ein erschreckend dünnes Script voller Logiklöcher: Wie Michael konkret den Knastexpress kapert, bleibt genauso unbeantwortet wie die Frage, warum es gleich mehrere Morde braucht, bis die unsäglich doofe Polizei endlich mal anrückt. Zudem sind die meisten Figuren unsympathisch und inkompetent, selbst Laurie ist keine starke Frau, sondern eine durchgeknallte Alte, die Kinder mit der Waffe bedroht und tollpatscht, wenn es drauf ankommt. So will Halloween ironischerweise jede schlechte Fortsetzung vergessen machen – ist diesbezüglich aber selbst ganz weit vorne.
Jan 23, 2018
Thor: Ragnarok7
Jan 23, 2018
Marvels Thor-Filme nahmen sich schon immer nicht ganz ernst – doch Tag der Entscheidung ist dank 5 Zimmer Küche Sarg-Regisseur Taika Waititi sogar primär eine Komödie. Das stößt so manchem Marvel-Veteranen sicher vor den Kopf, ist aber legitim – denn frische Konzepte hat der Superheldenfilm bekanntlich mehr als nötig. Aber nicht falsch verstehen: Auch wenn der talentierte Neuseeländer dem Mann mit dem Hammer durch verschrobenen Humor und ganz viel Selbstironie seinen Stempel aufdrückt, ist Thor – Tag der Entscheidung immer noch stumpf wie Transformers: Eine echte Geschichte gibt es quasi nicht und Thor (Chris Hemsworth), Loki (Tom Hiddleston), Hulk (Mark Ruffalo) und Neuzugang Valkyrie (Tessa Thompson) springen im Kampf gegen die ultraböse Goth-Queen Hela (Cate Blanchett) auch nur von einer CGI-Actionszene zur nächsten. Das aber ist ziemlich gut gemacht und mindestens so unterhaltsam wie Guardians of the Galaxy. Außerdem gibt es neben einem überraschend trashigen Flash Gordon-Look nebst passendem Elektro-Score ziemlich geniale Cameos und einen tollen Jeff Goldblum als tuckiger Diktator Grandmaster.
Jan 23, 2018
47 Meters Down6
Jan 23, 2018
Nur um ihren Ex-Boyfriend zu beeindrucken, geht Lisa (Mandy Moore) zusammen mit ihrer Schwester in Mexiko mit zwielichtigen Aufreißern Haikäfigtauchen. Da soviel Blödheit einfach bestraft werden muss, reißt das mickrige Seil binnen Minuten und man sackt genau 47 Meters Down bis auf den Grund. Unten warten neben Panik, Sauerstoffmangel und Tiefenrausch gleich mehrere Große Weiße – die offenbar Riesenappetit auf dumme Touristen haben. Ist die erste halbe Stunde Hohlkopfgelaber erst einmal überstanden, wird 47 Meters Down zwar nicht schlauer, dafür ungleich spannender: Klug kontrastiert Regisseur Johannes Roberts die unendliche Weite des Meeres und die Enge des Käfigs und schafft so ein beklemmendes Setting. Ständig erwartet man eine Attacke aus dem Blau – die nur selten kommt aber umso mehr knallt. Obendrein bleibt die Kamera stets bei den Figuren – ob von oben wirklich Hilfe kommt, ist also so unklar wie die Sicht. So unterhält 47 Meters Down trotz Logikfehlern fast genauso spielend wie der kürzliche The Shallows.
Jan 23, 2018
Happy Death Day5
Jan 23, 2018
Wie der kolumbianische Horrorfilm Wake up and die klaut sich auch Happy Deathday die Endlosschleife von Und täglich grüßt das Murmeltier und lässt jede Runde tödlich enden: Die hübsche Tree erwacht voll verkatert beim One-Night-Stand Carter, schafft es irgendwie durch den Tag – aber nie durch die Nacht. Immer und immer wieder verreckt der blonde Unsympath an der Klinge eines babygesichtigen Psychokillers, vor der Kühlerhaube eines Autos oder am Fuß eines hohen Gebäudes. Das ist insgesamt vor allem ziemlich witzig und unterhaltsam, in puncto Dialoge und Charakterzeichnung aber hochgradig peinlich. Außerdem auffällig und vor allem für Horrorfans blöd: In Happy Deathday fließt kein Tropfen Blut – was vielleicht den enormen Erfolg an der US-Kinokasse erklärt. Der PG-13-Film ist dort nämlich erfolgreicher als Blade Runner 2049. Traurig!
Jan 23, 2018
The Harvest6
Jan 23, 2018
Nur um ihren Ex-Boyfriend zu beeindrucken, geht Lisa (Mandy Moore) zusammen mit ihrer Schwester in Mexiko mit zwielichtigen Aufreißern Haikäfigtauchen. Da soviel Blödheit einfach bestraft werden muss, reißt das mickrige Seil binnen Minuten und man sackt genau 47 Meters Down bis auf den Grund. Unten warten neben Panik, Sauerstoffmangel und Tiefenrausch gleich mehrere Große Weiße – die offenbar Riesenappetit auf dumme Touristen haben. Ist die erste halbe Stunde Hohlkopfgelaber erst einmal überstanden, wird 47 Meters Down zwar nicht schlauer, dafür ungleich spannender: Klug kontrastiert Regisseur Johannes Roberts die unendliche Weite des Meeres und die Enge des Käfigs und schafft so ein beklemmendes Setting. Ständig erwartet man eine Attacke aus dem Blau – die nur selten kommt aber umso mehr knallt. Obendrein bleibt die Kamera stets bei den Figuren – ob von oben wirklich Hilfe kommt, ist also so unklar wie die Sicht. So unterhält 47 Meters Down trotz Logikfehlern fast genauso spielend wie der kürzliche The Shallows.
Jan 23, 2018
The Shape of Water8
Jan 23, 2018
Baltimore, 1962: Die stumme Träumerin Elisa (Sally Hawkins) arbeitet als Putzfrau in einem US-Geheimlabor – dennoch prägen ihr Leben Einsamkeit und Langeweile. Beides ändert sich, als ein allzu menschliches Fischmonster das neueste Forschungsobjekt gibt. Die Außenseiter werden zu Gefährten – doch ein fieser Sicherheitschef mit Gottkomplex (Michael Shannon) hat gehörig was dagegen. Shape of Water – Das Flüstern des Wassers ist Guillermo del Toros bester Film seit Pan’s Labyrinth: Das Fantasy-Drama bietet mit einem nicht ganz taufrischen Kalter-Krieg-Szenario und dem platten Plot zwar kaum Tiefe oder Überraschungen – dafür wird es ziemlich spannend und noch emotionaler. Viel wichtiger aber: Von den zauberhaften Bildern, über den gerade Golden-Globe-prämierten Soundtrack bis hin zum frech aus Der Schrecken vom Amazonas gemopsten Monster ist der Film ein glaubwürdiges Liebesbekenntnis ans alte Hollywood-Kino.
Oct 24, 2017
The Dinner6
Oct 24, 2017
Ähnlich wie in Roman Polanskis Theateradaption Der Gott des Gemetzels diskutieren auch in The Dinner überforderte Eltern beim Essen das gewalttätige Fehlverhalten ihrer Kinder aus – nur dass man hier keinen Stein geworfen, sondern eine Obdachlose angezündet hat. So ist die Buchverfilmung passend zur finsteren Ausgangssituation auch keine bissige Komödie, sondern ein beinhartes Drama. Dabei geht Oren Movermans Sozialsatire voll an die Nieren: Das resultiert neben lockeren Tischthemen wie Mord, Lungenkrebs und Erb-Psychosen auch aus einer künstlerischen, bisweilen arg anstrengenden Inszenierung: Moverman hüllt sein Psychodrama in trübes Dämmerlicht, legt einen Tinitus-artigen Score darüber und erhellt in plötzlichen, teils schwer zu folgenden Flashbacks die traumatische Vergangenheit der Figuren. Genau hier aber liegt die Faszination von The Dinner – denn was unten brodelt, treibt nur nach und nach an die Oberfläche und kulminiert in einem bitterbösen Finale. Die Schauspieler derweil sind fantastisch – vor allem Steve Coogan zeigt als schwer angeknackster Zyniker eine der besten Leistungen seiner Karriere.
Oct 4, 2017
Wish Upon4
Oct 4, 2017
Highschool-Outsider Clare (Fargo-Tochter Joey King) bekommt von Papa Ryan Phillippe eine uralte chinesische Spieluhr geschenkt – die ihr prompt sieben Wünsche gewährt. Klar, dass der egoistische Teen sich statt dem Weltfrieden nur Boys, Money und Fame herbeiwispert. Die Quittung kommt schnell – denn pro Wunsch stirbt laut AGB eine Person aus Clares Umgebung auf unnatürliche Weise. Doof – aber für Final Destination– und The Ring-Fans im Idealfall eine lustige bis spannende Sache. Wish Upon jedoch hat ein ziemlich schlechtes Drehbuch – und der Film dahinter ist noch viel mieser: Der völlig vorhersehbare Plot ist vom Reißbrett und nahezu alle Figuren sind strunzdumm und nerven mit ständigem Smartphone-Gezücke. Viel schlimmer jedoch: Während die großen Vorbilder in puncto Ableben mit jedem Teil kreativer wurden, startet Wish Upon wieder bei Null – und bietet Genrefans lediglich unspektakuläre und dank 16er-Siegel auch noch unblutige Tode.
Oct 4, 2017
Valerian and the City of a Thousand Planets5
Oct 4, 2017
Die französische Comicvorlage von Valerian und die Stadt der tausend Planeten kennt hierzulande kaum jemand – das will Luc Besson jetzt ändern. Fast 50 Jahre nach Erscheinen der Graphic Novel verwandelt der Fifth Element-Regisseur sie in einen pompösen Blockbuster – wobei die düstere Atmosphäre genauso flöten geht wie ein Großteil der künstlerischen Vision Pierre Christins und Jean-Claude Mézières. Auch ist die Story um zwei Space-Agenten auf All-umfassender Suche nach einer ausgestorbenen Alienrasse ziemlich platt, während die arroganten Hauptfiguren orientierungslos wie das Drehbuch von Ort zu Ort hüpfen. Immerhin beeindruckt Valerian und die Stadt der tausend Planeten mit einem knallbunten Avatar-Look, humorvollem Men in Black-Creature-Design und einer atemlos schnellen Inszenierung – und skurrile Ideen wie Gehirnschnecken und Menschen-Angler erreichen fast Per Anhalter durch die Galaxis-Niveau.
Oct 4, 2017
mother!10
Oct 4, 2017
Darren Aronofsky ist der vielleicht letzte große Filmkünstler. Während Christopher Nolan und Denis Villeneuve sich immer mehr dem Mainstream verschlagen und Ridley Scott nur noch Mist verzapft, folgt Aronofsky seinen künstlerischen Visionen ohne Kompromisse – und Mother! ist ein richtiges Biest geworden. Unscheinbar kommt das Psychohorrordrama mit einer Skizze von einer Story: Ein namenloses Paar lebt allein auf dem Land, die Frau (Jennifer Lawrence) renoviert das einst abgebrannte Haus, der Mann (Javier Bardem) ist ein verzweifelter Dichter mit Schreibblockade. Dann lässt man zwei völlig Fremde mit undurchsichtigen Motiven (Michelle Pfeiffer und Ed Harris) ins Haus – und die Hölle bricht los. Mehr darf man wirklich nicht wissen – denn was Aronofsky auf den Zuschauer loslässt, ist energiegeladen, interpretationsoffen und explodiert in alle Richtungen. Das Sujet folgt derweil The Fountain und Noah – denn Glaube und Religion sind hier ganz groß. Anarchisch-surreal wie David Lynchs Lost Highway, brachial und teils gnadenlos brutal, entscheidet wie immer der persönliche Geschmack, ob Mother! als prätentiös-sinnloser Arthaus-Mist oder durchdachter Geniestreich im Kopf verbleibt. Fest steht: das tut er noch lange – ob man ihn mag oder nicht.
Jun 22, 2017
On the Job7
Jun 22, 2017
Es ist die perfekte Tarnung: Die Häftlinge Daniel und Tatang agieren vom Knast aus als Profikiller – jeder inszenierte Freigang endet mit minimum einem Toten. Da auffällig viele aus politischem Umfeld stammen, vermuten Haudegen-Cop Acosta und Newcomer-Superbulle Francis eine korrupte Verschwörung – rennen bei den Ermittlungen jedoch gegen Wände – bis mehr als nur die Nase blutet. Erik Matti setzt in seinem Thriller-Drama On the Job auf Authentizität statt Pomp: Dezente Wackler und schnelle Zooms im reizvollen Manila-Setting erinnern an die Doku-Ästhetik Michael Manns, während Matti bevorzugt das komplizierte Privatleben der nie schwarz-weißen Figuren fokussiert. Die raren, aber spannenden Früh-John-Woo-Actionszenen prägt derweil ein angenehmer Noir-Look. So ist On the Job abseits einer ungeschickten Sexszene und einem CGI-Ausrutscher ein stiller, stilvoller Beitrag zum Asia-Crime-Genre.
Jun 22, 2017
Men & Chicken8
Jun 22, 2017
Schon seine tiefschwarze Erfolgskomödie Adams Äpfel überschritt vergnügt so manche moralische Grenze – Anders Thomas Jensens Men & Chicken jedoch erreicht South Park-Niveau: Die dezent debilen Brüder Gabriel (David Dencik) und Elias (Mads Mikkelsen) erfahren über ein Video des verstorbenen Vaters schockierendes: Papa war nicht wirklich Papa – und drei weitere Brüder leben auf der ausgestorbenen Insel Ork. So verschlägt es das ekelig würgende und dauermasturbierende Geschwisterpaar auf der Suche nach der Vergangenheit ins tiefste Hillbillyhausen – wo hasenschartige Männer noch in einem Bett schlafen, sich mit ausgestopften Tieren verprügeln und finstere Geheimnisse im Keller lauern. Streckenweise zwar etwas übertrieben und allzu gewollt, feiert Men & Chicken ein Fest des Skurrilen, fernab gängiger Gags oder guten Geschmacks. Überraschenderweise ist der dänische Skandalfilm dabei genauso Gaga-Komödie wie unangenehmer Redneck-Horror – und Platz für etwas Tiefe ist auch noch.
Jun 22, 2017
Out of the Dark5
Jun 22, 2017
Hat die Geschichte nicht viel zu bieten, verpackt man sie halt entsprechend – diesem Genregesetz folgt auch der Horrorfilm Out of the Dark. Um die Papierfabrik ihres Vaters zu leiten, ziehen Sarah nebst Anhang ins südamerikanische Santa Clara – wo nicht der Job stresst, sondern übernatürliche Erscheinungen im Eigenheim. Regisseur Lluis Quilez bettet seinen Film in ein unverbrauchtes kolumbianisches Kleinstadtszenario und sorgt für eine ansprechende Inszenierung: In den Kolonialhäusern dominiert bei harmloser Spannung subtil der Schatten, während im schwülen Dschungel der Lichteinsatz stimmt. Dafür hapert es beim Plot gewaltig: Die aufgesetzte Schauermär um kindliche Rachegeister und Umweltsünden strotzt vor Logikfehlern, während Julia Stiles, Scott Speedman und Stephen Rea schauspielerisch wirklich nur das Nötigste tun.
Jun 22, 2017
Jurassic World5
Jun 22, 2017
Ein Hightech-Dino-Freizeitpark, ein ausgedachter Supersaurier und 22.000 Besucher als Freiwild – dass Jurassic World sich weit vom wegweisenden Erstling entfernt, überrascht nicht. Dass Colin Trevorrows aufgeblasenes Revival aber schlechter ist als der schon unspektakuläre Vorgänger, schon. Bereits ganz zu Anfang beweist Trevorrow sein fehlendes Fingerspitzengefühl: Michael Giacchinos supermarkanter John-Williams-Filmscore begleitet völlig banale Szenen, während der obligatorische Einführungsflug über Isla Nublar mit einem schlecht gemachten Helikopter die nicht immer gelungenen Spezialeffekte andeutet. Dann bricht der erste Dino aus – und mit ihm die starke Mitte des Films, in der Echsenneuling Indominus Rex mit Kindern Fußball spielt, Chris Pratt und Bryce Dallas Howard wie im klassischen Abenteuerfilm hitzig-witzig flirten und sogar der alte Jurassic Park mal vorbeischaut. Schlussendlich jedoch geht mit ironiefrei-dämlichen Dialogen, ideenloser Action und chaotisch geschnittenen Godzilla-Saurierkämpfen wieder alles zum Teufel. So taugt Jurassic World höchstens noch als weitgehend unterhaltsamer Blockbuster für Kinder, denen Steven Spielberg kein Begriff ist.
Jun 22, 2017
Frank8
Jun 22, 2017
Kein Geld, keine Kontakte und die einzigen eigenen Songs gibt es schon: Schüchterling Jon gelingt der Einstieg ins Musik-Business einfach nicht. Da trifft er am Strand die unaussprechliche Combo Soronprfbs, deren durchgeglühter Keyboarder sich gerade ins Meer stürzt. Ersatz muss her – und Jon bekommt seine Chance. Beim katastrophal kurzen Erst-Gig lernt er Lead-Sänger Frank kennen (Michael Fassbender) – der Tag und Nacht ein cartooneskes Papphaupt auf den exzentrischen Schultern trägt. Im nächsten Moment tüfteln Soronprfbs in einer Waldhütte ein sperriges Elektro-Noise-Album irgendwo zwischen Doors, gestörtem Kinderlied und Sonic Youth zusammen. Doch psychisch kranke Bandkollegen sowie Franks Perfektionismus sind Stolpersteine auf dem Weg zum Erfolg. Größtenteils skurrile Komödie mit messerscharfen Dialogen und melancholischem Einschlag, mausert sich Frank später zum handfesten Drama. Immens die Laune hebt jedoch Fassbender – der unter seiner Maske aufblüht und eine hochinteressante Filmfigur mit charakterlichem Interpretationsspielraum schafft.
Jun 22, 2017
Bound to Vengeance6
Jun 22, 2017
Eve erwacht angekettet im Keller des Psychopathen Phil – aber Leichtsinn und ein praktisch positionierter Ziegelstein befreien das Mädchen aus ihrem Matratzen-Gefängnis. Als sie auf Fotos noch lebender Leidensgenossen stößt, mutiert das blutjunge Blondchen zur Früh-Feministin: Mit dem krächzenden Killer in der provisorischen Hundeschlinge startet im Terror-Truck eine Befreiungsaktion durch die finstersten Vororte von Los Angeles – im nächtlichen Racherausch jedoch bleibt die Moral schnell auf der Strecke. So unglaubwürdig die Prämisse von Bound to Vengeance auch ist: José Manuel Craviotos smarte Abwandlung des ausgelutschten **** sorgt für enorme Kurzweil und zahlreiche überraschende Wendungen. Nur mäßig talentierte Schauspieler, Haudrauf-Gewalt und ein zeitweise nervtötender Industrial-Sound holen den sonst handwerklich soliden Thriller auf den Boden zurück.
Jun 22, 2017
The Visit5
Jun 22, 2017
Ein Besuch bei den Großeltern ist für die meisten Kinder der blanke Horror – zumindest in der Filmwelt. Rebecca und Tyler hingegen glühen vor Vorfreude – schließlich sehen sie ihre zum ersten Mal. Und da M. Night Shyamalans Rückkehr zum Gruselgenre ein Found-Footage-Film ist, drehen sie gleich eine Dokumentation darüber. Die nimmt jedoch schnell finstere Formen an, als Oma und Opa nachts wie bekloppt durch die Wohnung krabbeln, die Schrotflinte zum Reinigen in den Mund stecken oder die Kleinen zum Putzen in den Backofen lotsen – und Altersdemenz ist hier wohl kaum das Problem. Stimmt: The Visit punktet mit ungewohnt schrägem Humor und gelegentlich fiesem Horror. Dafür kommt der Low-Budget-Thriller nur langsam in die Gänge, nervt mit zwei brabbelnden und manchmal gar rappenden Mini-Schauspielern, während Ex-Twist-Spezialist Shyamalan nur ein enttäuschendes Ende dranhängt.
Jun 22, 2017
Spring6
Jun 22, 2017
Nach dem Krebstod der Mutter und dem Verlust seines Jobs hält den jungen Evan nichts mehr im stressigen Los-Angeles – im nächsten Flieger geht es an die italienische Küste. Britische Buddies und die meditative Arbeit auf einem Gutshof lenken den Trauernden schnell ab – vor allem aber die Romanze mit der bildschönen Louise. Doch je näher man sich kommt, desto mysteriöser wird die Fremde: Warum flieht sie spontan vom Essen? Was hat die Spritze im Bad zu bedeuten? Und warum säumen kopflose Tierkadaver die Straßen der Stadt? Spring – Love is a Monster ist zu großen Teilen eine sensibel und technisch einwandfrei gefilmte, aber ziemlich substanzlose Urlaubsromanze, die mit aufdringlicher Frucht- und Tiersymbolik ihr Unheil ankündigt: Für kurze, starke Momente wird Justin Bensons und Aaron Moorheads Fantasy-Filmfest-Hit dann zum faszinierenden, schleimigen, teils interpretationsoffenen Cronenberg-Horror. Das große Ganze jedoch ist ein über 90 Minuten langer Dauerflirt zweier sich null entwickelnden Figuren.
Jun 22, 2017
Knock Knock6
Jun 22, 2017
Eli Roth mag Filmverweise – liegt wohl an der engen Freundschaft zu Zitatkönig Quentin Tarantino. Nach der Menschenfresser-Hommage The Green Inferno wendet sich Roth in der Home-Invasion-Variante Knock Knock einem anderen bekannten Thema zu. Architekt Evan bleibt das Wochenende daheim, während sich die Familie am Strand sonnt. Zum Arbeiten kommt er jedoch nicht, denn plötzlich stehen zwei vom Regen durchnässte Mädels in der Tür – und bevor das rettende Taxi kommt, landet man sich windend in Bad und Bett. Der Morgen ist ein Schlag ins Gesicht: Die zu völligen Psychopathinnen mutierten Girls wollen nicht gehen und nehmen Evan die Designer-Butze auseinander – und bei Sachschäden bleibt es nicht. Ziemlich frech schnappt sich Eli Roth den Plot von Death Game und die Psychospielchen von Funny Games und Hard Candy, nutzt aber statt Subtilität stets den Holzhammer. Doch das holprige Drehbuch, hölzerne Dialoge und ein wirklich mieser Keanu Reeves ändern nichts daran, dass Knock Knock als trashiger Thriller einen Riesenspaß macht.
Jun 22, 2017
Reality6
Jun 22, 2017
Die Filme von Quentin Dupieux sind so eine Sache: Surreal, skurril-komisch und betont ruhig, geraten eher nur Jared Napoleon Dynamite Hess- und Helge-Schneider-Fans aus dem Häuschen – und „Mr. Oizo“ denkt gar nicht dran, der anarchischen Filmweise für Reality den Rücken zu kehren. Bereits der Plot ist unfassbar durchgeglüht: Ein Mädchen findet im Bauch eines Wildschweins eine VHS-Kassette, ein Kochshow-Moderator leidet an einer eingebildeten Hautkrankheit, ein Kameramann sucht für den nächsten Hit nach dem perfekten Todesschrei – und irgendwie ist alles miteinander verwoben. Das klingt genauso wirr wie es ist – auch echten Sinn macht der etwas langatmige Reality selten. Dennoch fasziniert die Geschichte durch gleich mehrere Meta-Ebenen, tolle Charaktere, viel Situationskomik und einen hypnotischen Orgelscore in Dauerschleife.
Jun 22, 2017
Love & Mercy9
Jun 22, 2017
Love & Mercy ist nicht die Geschichte der Beach Boys, sondern die von Frontmann Brian Wilson – und somit keine über Sonne, Strand und Surfen, sondern eine von Angst, Krankheit und dem ewigen Kampf zwischen Kunst und Kommerz. Regisseur Bill Pohlad nutzt die Entstehungsgeschichte vom Über-Album Pet Sounds als Sprungbrett ins Innere von Brian Wilson – einem empfindsamen wie genialen jungen Mann (fantastisch gespielt von Paul Dano), der lieber im Stillen komponiert, als im Rampenlicht zu stehen. Schwer machen das ein tyrannischer Vater, verständnislose Bandkollegen und eine latente paranoide Schizophrenie. So ist Love & Mercy mehr knallhartes Drama als beschwingter Musikfilm, das durch regelmäßige Sprünge zum erwachsenen Wilson (John Cusack) in den Fängen eines manipulativen Hausarztes (widerlich: Paul Giamatti) zusätzliche Tiefe erhält. Auch technisch überzeugt das bisher beste Kino-Porträt des Jahres durch einen authentisch-unprätentiösen Look, emotional ergänzt durch den einlullenden Sound der Beach Boys.
Jun 22, 2017
The Rambler7
Jun 22, 2017
Frisch aus dem Knast entlassen, durchstreift ein namenloser Spiegelbrillen-Cowboy auf der Suche nach Arbeit den sandigen Süden. So weit, so bodenständig. Doch nichts ist, wie es scheint in Calvin Reeders The Rambler – und schon gar nichts normal. Mit sichtlichem Spaß krempelt er für sein hochgradig durchgeglühtes Roadmovie jedes Hillbilly-Western-Klischee radikal um: Die vermeintlich kernige Hauptfigur ist tollpatschig und nahezu autistisch emotionslos, der prollige Casino-Zocker entpuppt sich als schwul. Dem sonst eintönigen Wildwest-Alltag macht man mit wild herumballernden Omas, wahnsinnigen Erfindern und explodierenden Köpfen Beine. Dabei huldigt Reeder audiovisuell dem Wild at Heart-David Lynch und in puncto Skurrilität Quentin Dupieux (Rubber) – wobei die mit verzerrten Bildern, abrupten Schnitten und kreischenden Sounds oft anarchische Filmweise auch mal nervt. Tiefe sucht man hier zudem vergebens – findet dafür aber eine Riesenportion immer überraschende Unterhaltung.
Jun 22, 2017
Extraterrestrial5
Jun 22, 2017
Fünf infantile Flachpfeifen machen Party im Wald und werden von Akte-X-Aliens blutig von der Erde gerupft – mehr Plot steckt wirklich nicht im geradlinigen Alien-Invasion-Horrorfilm der Vicious Brothers (Grave Encounters). Auch sonst verläuft in Extraterrestrial mit zweifelnden Cops, kiffenden Paranoikern und verstümmeltem Vieh alles streng nach Schema F – sodass trotz Dauerfinsternis und pompösem Trompeten-Score nur selten Spannung aufkommt. Dafür winkt ein wirklich schicker Look: Viele Szenen sind in knalliges Wärmestrahler-Rot getaucht, während flirrende Lichtstrahlen wie bei Skully und Mulder durch die wabernde Luft wandern. Zudem spielen Colin Minihan und Stuart Ortiz ganz klar bewusst mit gängigen Alien-Klischees – und machen selbst vor Analsonden nicht halt.
Jun 22, 2017
The Guest6
Jun 22, 2017
Eine Familie trauert um den in Afghanistan verstorbenen Sohn. Unverhoffte Ablenkung verschafft sein Kriegskamerad David (Dan Stevens), der sich charmant und hilfsbereit in ihren Alltag drängt – durch verständnisvolle Gespräche mit den Eltern, eine Sixpack-Vorführung für die verwirrte Tochter und einen Satz Prügel für die Bullys von Sohn Luke. Dass der Überraschungsgast Tödliches zu verbergen hat, ist angesichts der Regievergangenheit Adam Wingards klar: Schließlich war You’re next ein knallharter Home-Invasion-Slasher. Auch The Guest ist brachial blutig, hat seine Wurzeln aber im 80s-Action-Thriller – was Wingard mit bewusst peinlichen Prollszenen, übersteuerten Farben und einem pumpenden Carpenter-Soundtrack verdeutlicht. So unterhält The Guest nach einem etwas zähen Start auf hohem technischen Niveau, überrascht in puncto Action, jedoch niemals beim Plot.
Jun 22, 2017
Lost River4
Jun 22, 2017
Die nächste Stufe auf der Karriereleiter des aufstrebenden Schauspielers scheint der Platz auf dem Regiestuhl – so auch bei Ryan Gosling, der für den Mystery-Thriller Lost River erstmals hinter der Kamera agiert. Im verarmten Lost River – authentisch verkörpert durch den trostlosen Part Echtwelt-Detroits – kämpfen die letzten Menschen um ihre Existenz: Wegen einer drohenden Hauspfändung schröpft der junge Bones unter Lebensgefahr Kupfer aus verlassenen Fabriken, während seine hübsche Mutter Billy an einen exklusiven Fetischclub mit blutig-morbider Varieté-Show gerät. Laut Nachbarin Ratte liegt die Rettung Aller im Brechen eines Fluchs – wozu Bones tief in die Ruinen einer einst gefluteten Stadt taucht. Kulisse und Kernplot sind die fantastische Steilvorlage für ein finsteres Kleinstadtmärchen – das Gosling leider ultraflach und ziemlich langweilig erzählt – da helfen auch die schicken, eindeutig Lynch-und-Refn-inspirierten Bilder und der abwechslungsreiche Elektro-Score nicht.
Jun 22, 2017
Horrible Bosses 24
Jun 22, 2017
Kill the Boss pimpte die Drei-Penner-mit-Problemen-Prämisse von Hangover mit einem frischeren Plot und gleichwertig guten Gags. Davon ist in der müden Fortsetzung nicht viel übrig: Den eigenen Filmtitel völlig ignorierend, ersetzt Regisseur Seth Gordon in Kill the Boss 2 die einst herrlich ruppige Story durch eine schon zigfach erzählte Kidnapping-Geschichte: Die Vollpfosten Nick (Jason Bateman), Kurt (Jason Sudeikis) und Dale (Charlie Day) stehen nach einem mies gelaufenen Geschäftsdeal mit einem jovialen Großunternehmer (Christoph Waltz) mit 500.000 Dollar Schulden und dem drohenden Verlust der genialen Erfindung „Shower Buddy“ da. Da Mord offenbar eine Nummer zu groß ist, ersinnt man einen ungleich smarteren Plan: Die Entführung des Mogulensprösslings – doch die geht wegen völliger Blödheit und Inkompetenz voll in die Hose. Gleiches gilt für so ziemlich alle einhergehenden Witze, die sich weit unter der Gürtellinie ansiedeln, während die unermüdlich plappernden Haupt- oder die talentierteren Nebendarsteller (Chris Pine, Jennifer Aniston, Kevin Spacey) die US-Komödie nur selten über das Mittelmaß hinausheben.
Jun 22, 2017
Ain't Them Bodies Saints7
Jun 22, 2017
Das Liebespaar Bob (Casey Affleck) und Ruth (Rooney Mara) erwartet ein Baby und stockt die Finanzen statt mit Kredit lieber per Raubüberfall auf. Das geht natürlich schief und endet in einem Schusswechsel mit der texanischen Polizei und einer Gefängnisstrafe für Bob. Der hat jedoch bald die Nase voll und bricht kurzerhand wieder aus – doch draußen warten bereits die ausgenommenen Killer, ein liebeskranker Deputy sowie Ruths beschützerischer Ziehvater. Zwei gewalttätige Turteltäubchen im schwülen Süden der USA – das klingt schwer nach Terrence Malicks Bonnie-und-Clyde-Interpretation Badlands. Und in der Tat borgt sich David Lowery für seinen melancholischen Neo-Western The Saints einiges vom großen amerikanischen Filmemacher: Viele Aufnahmen erstrahlen in rötlichem Zwielicht, ein Gitarren-und-Geigen-Soundtrack pluckert hypnothisch, während das offenbar tiefgründige Innere der Figuren meist aus dem Off ertönt. Audiovisuell und schauspielerisch beeindruckend, bleiben Spannung und Story dabei etwas auf der Strecke – ganz wie bei Malick also.
Jun 22, 2017
The Babadook9
Jun 22, 2017
Nach dem Unfalltod ihres Mannes quält sich eine zartbesaitete Mutter durch ein trübes Leben mit einem hochgradig anstrengenden Sohn. Der schreit nicht nur laut und viel, sondern wird auch gelegentlich gewalttätig. Als plötzlich ein verstörendes Kinderbuch auftaucht, dessen fiese Bildreime scheinbar Wirklichkeit werden, gerät schlichte Überforderung zur handfesten psychischen Störung. Jennifer Kent schafft mit Der Bababook eine höchst subtile Schauermär mit unterkühlten Bildern und berauschendem Ton. Während Kent den visuellen Schrecken an The Grudge oder Nightmare on Elm Street anlehnt, erinnert der perfide psychologische Part an The Shining. Aber auch ganz ohne Weiterdenken funktioniert der nicht ultraspannende, aber immer faszinierende Film einwandfrei, vor allem durch die zwei herausragenden Hauptdarsteller, die Angst, Hilflosigkeit und Terror glaubhaft vermitteln.
Jun 22, 2017
Chef9
Jun 22, 2017
Im Rahmen des Food-Films loten Regisseure meist menschliche Leidenschaften aus. Kein Wunder – schließlich ist Essen für viele eine Herzenssache. Kiss the Cook-Regisseur und Hauptdarsteller Jon Favreau macht das nicht anders: Als Koch Carl Casper nach einem drögen Restaurantjob einen Food-Truck für kubanische Sandwiches eröffnet, blühen Berufs- und Privatleben gleichermaßen auf. In puncto Plot nichts Neues, überrascht Favreaus Film dafür anderswo: Sein Alter Ego ist direkt, emotional – und handelt generell eher unkonventionell. So lässt er seinen 10-jährigen Sohn auch mal Marvin Gayes “Sexual Healing” trällern oder Cerveza trinken. Auch der infantile, aber immer herzliche Humor macht spontane Sätze, während der fantastische Blues-Jazz-Raggae-Samba-Soundtrack eine ohnehin kurzweilige Komödie noch beschwingter macht. Nur der deutsche Titel von Chef ist völliger Mumpitz – eine Romanze ist Kiss the Cook nämlich nie.
Jun 22, 2017
The Boy Next Door3
Jun 22, 2017
Lehrerin Claire (Jennifer Lopez) flieht vor ihrem untreuen Ehemann ins Bett des blutjungen Nachbarn Noah (Ryan Guzman). Kein Wunder – er sieht flott aus, repariert jeden Motor und zitiert aus dem Stand Homer und Lord Byron. Eine peinliche Bettszene später erkennt die völlig aufgelöste Frau ihren Fehler und verstößt den Jüngling auf Nimmerwiedersehen – daraus wird aber nix. Noah mutiert zum eifersüchtigen Psychopathen, hetzt Claires Sohn gegen sie auf, tapeziert das Klassenzimmer mit kompromittierenden Fotos – und wird schließlich zur tödlichen Bedrohung. Die schwülstige Thematik von The Boy next Door ist ein klares Nicken Richtung Neunziger, doch Rob Cohens Möchtegern-Erotik-Thriller ist prüde, vorhersehbar und mündet im schon jetzt trashigsten Finale des Jahres.
Jun 22, 2017
Revenge of the Green Dragons6
Jun 22, 2017
Revenge of the Green Dragons zeigt, dass nicht nur Fußballer früh anfangen: Ende der 80er fliehen zwei Jungen von Hongkong nach Ellis Island – und geraten sofort in die Fänge der Queens-Gang Green Dragons. Während die Untaten von Mafia oder Yakuza zumindest einem verqueren Moralkodex folgen, geht der chinesischen Variante jedwede Menschlichkeit ab: Ohne Grund wird geprügelt, geraubt und vergewaltigt, selbst vor der Verwandschaft macht man nicht halt. So ist die Eskalation vorprogrammiert – und reißt beide Knirpse mit in den Abgrund. Auch wenn Martin Scorcese produziert und Andrew Lau (Internal Affairs) Co-Regie führt, ist Revenge of the Green Dragons kein Meisterwerk – wohl aber ein nostalgischer Ausflug ins Gang-Thriller-Genre der Reagan-Ära. Lau inszeniert seine Hommage temporeich, unprätentiös stylish und äußerst brutal. Der Plot ist zwar vorhersehbar und ohne große Wendungen, dafür winkt ein unangenehmes Ende und ein garstiger Kommentar auf das Geschäft mit Einwanderern.
Jun 22, 2017
The Town That Dreaded Sundown5
Jun 22, 2017
Im schwülen texanischen Frühling 1946 tötet ein Killer in Kapuze fünf Menschen – die “Texarkana Moonlight Murders” bleiben ungeklärt. 30 Jahre später verbinden sich in The Town that dreaded Sundown blutige Tatsachen und Fake-Doku-Bilder zum vielleicht ersten Slasher überhaupt. Jetzt greift American Horror Story – Coven-Regisseur Alfonso Gomez-Rejon zum Stoff und dreht den Film zum Film zur Mordserie. Auch er streut scheinbar echtes Material in seine Interpretation, lässt das naheliegende Found-Footage-Format aber links liegen. Stattdessen prägen Warte, bis es dunkel wird bedrohliche Rottöne und stylische Perspektiven aus Gomez-Rejons TV-Vergangenheit. Obendrein kaschieren viel Splatter und Sex die dahinplätschernde und leider mäßig spannende Geschichte um eine Überlebende auf der Suche nach dem Mörder. Das erfundene Ende nebst Twist missen zudem das zähe Grauen des thematisch nicht unähnlichen Zodiac.
Jun 22, 2017
The Banshee Chapter5
Jun 22, 2017
Area 51, Chemtrails, HAARP: Die USA ist Heimat zahlreicher Verschwörungstheorien. Experimente der CIA an ahnungslosen Testsubjekten zur Bewusstseinskontrolle stellten sich jedoch als erschreckend wahr heraus. Der Pseudo-Found-Footage-Horror Banshee Chapter packt sich das MKULTRA-getaufte Programm und spinnt daraus seine eigene Geschichte: Eine Journalistin sucht Ihren vermissten Freund, der sich im Zuge von Buch-Recherchen selbst der berüchtigten Substanz aussetzte – und spurlos verschwand. Ihr Weg führt zu paranoiden Technik-Freaks, in die nächtliche Wüste von Nevada und ins surreale Heim des Drogenautors Blackburn. Zwar vorhersehbar, konstruiert und mit mauem Ende, punktet der Film mit netten Einstellungen, effektvollen Filtern und einem psychedelischen Soundtrack. Die Schocks gehen meist ins Leere, dafür ist Banshee Chapter umso fieser, wenn nichts passiert.
Jun 22, 2017
Predestination6
Jun 22, 2017
m gemächlichen Zeitreise-Krimi Predestination springt ein Zeitagent (Ethan Hawke) zur Terror-Prophylaxe durch die Dekaden. Auf der Spur des Sprengstoff-Attentäters “Fizzle Bomber” trifft er 1975 in Barmann-Tarnung auf John (Sarah Snook), der ihm über sein Leben als Frau, Geheimagent sowie seine verschwundene Liebe erzählt. Doch was hat das alles mit dem Barkeeper zu tun? Predestination kommt nur langsam in die Gänge und schreckt mit einer wirren, etwas hanebüchenen Geschichte ab. Die fasziniert jedoch im Filmverlauf und mündet in einem Finale, das Fans von 12 Monkeys und unglaublichen Twists mit der Zunge schnalzen lässt. Obendrein untermalt eine stilvolle Film-noir-Optik das Geschehen passend – im Gegensatz zum übertrieben dramatischen Score.
Jun 22, 2017
Blackhat4
Jun 22, 2017
Lange war Michael Mann der Inbegriff stilvollen Actionkinos: Filme wie Heat erzeugten mit fast dokumentarischen Stadtbildern und perfekt getimter Action eine hypnotische Wirkung. Auch der Thriller Blackhat beginnt vielversprechend: Den Hacker-Angriff auf ein Atomkraftwerk inszeniert Mann als berauschende Kamerafahrt über Lüfter, Platinen und glühende Kühlstäbe – so nah war man der digitalen Bedrohung noch nie. Doch als Hauptdarsteller Chris Hemsworth das erste Mal seinen Mund öffnet und ein peinlicher Hollywood-Oneliner herausplumpst, dämmert es: Blackhat spielt in einer ganz anderen Liga. Der klischeehafte Plot um einen ex-kriminellen Hacker, der dem Zu-dumm-für-seinen-Job-FBI aus der Cyber-Terrorismus-Patsche hilft, garantiert 133 Minuten Langeweile. Mit Fußfessel und hübscher Begleitung reist man durch halb Asien und tut nichts als auf Tastaturen zu hämmern. Selbst die wenigen Schießereien – eigentlich Manns Steckenpferd – sind peinlich, unlogisch und nicht einmal packend. Nach Nolan und Scott driftet mit Michael Mann scheinbar ein weiterer Visionär in die Belanglosigkeit ab.
Jun 22, 2017
Project Almanac5
Jun 22, 2017
Der 17-jährige David entdeckt in einem Uralt-Geburtstagsvideo sein gegenwärtiges Ich – und wenig später im Keller des verstorbenen Vaters den Grund fürs Paradox: Baupläne für eine Zeitmaschine. Nach einigen Fehlversuchen steht die Zauberbox – und dient ausschließlich der persönlichen Bereicherung: Mit einem Knopfdruck entstehen schulische Erfolge, Riesen-Lottogewinne oder die ganz große Liebe. Die temporalen Eskapaden vom Möchtegern-MIT-Studenten und seiner Klischeeclique sind dabei so leichtsinnig, dass bald viel mehr als nur die Hütte brennt. Project – Almanac ist dank banaler Story, strohdummer Figuren sowie einem völlig aufgesetzten Found-Footage-Stil das genaue Gegenteil anspruchsvollen Kinos und nie so klug wie Chronicle oder so vertrackt wie Butterfly Effect. Nur eine gewisse Kurzweil rettet den Teenie-Zeitreise-Thriller vorm Totalausfall.
Jun 22, 2017
The Imitation Game7
Jun 22, 2017
1939: England ist frisch im Krieg mit ****, die einzige Hoffnung auf Sieg liegt in der Entschlüsselung von Enigma. Dafür braucht der hochkomplexe Militär-Code ein hochkomplexes Hirn – das von Alan Turing (wie immer brillant: Benedict Cumberbatch). Der Druck ist entsprechend hoch, auch weil der schüchterne Mathematiker noch mit einer anderen Sache kämpft – seiner heimlichen Homosexualität. So will es leider die Thematik, dass sich The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben abrupt wie das Kriegsende vom spannenden Thriller in ein Kitsch-Drama mit beinahe unerträglichem Finale verwandelt. Bis dahin unterhält Morten Tyldums Film jedoch mit viel Witz, fesselndem Soundtrack und einer fantastischen Darstellerschaft um Keira Knightley und Matthew Goode auf hohem Niveau.
Jun 22, 2017
Ouija4
Jun 22, 2017
Horror ist sowas wie das Urgenre des Popcornkinos. Produziert Popcornpapst Michael Bay einen Horrorfilm, passt das also. Doch was mit Michael Bay’s The Texas Chainsaw Massacre glückte, aber schon mit Freitag, der 13. in die Hose ging, nässt in Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel die ganze Garderobe durch. In Stiles Whites unschlagbar klischeehaftem Geisterhorrorfilm nutzt eine Gruppe aalglatter Teenager das berüchtigte Ouija-Spielbrett zur Aufklärung eines verdächtig plötzlichen Selbstmords – und erhält alsbald tödliche Botschaften aus dem Jenseits. Anfangs zahm, aber angenehm spannend und dabei schick bebildert, gerät Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel schnell zur peinlichen CGI-Orgie mit durchweg vorhersehbaren Schocks.
Jun 22, 2017
Dark Skies8
Jun 22, 2017
Arbeitslosigkeit, Problemkinder und eine drohende Hauspfändung: Für Familie Barrett läuft es mies. Noch finsterer wird es, als nachts die Alarmanlage grundlos schrillt, sich in der Küche Lebensmittel zu obskuren Skulpturen stapeln und ganze Vögelschwärme an die Fenster krachen. Was das heißt, weiß jeder Akte X-Fan – trotzdem bleibt Dark Skies stets spannend. Denn Regisseur Scott Stewart inszeniert seinen Science-Fiction-Horrorfilm sehr subtil, schildert den psychischen Absturz der Barretts glaubwürdig und umschifft sogar geschickt alle Peinlichkeiten des risikoreichen Genres. Ein ambivalenter Soundtrack, gute Schauspieler und ein hochgradig verstörendes Ende machen Dark Skies schließlich zum gelungensten Alien-Schocker seit Signs.
Jun 22, 2017
All Cheerleaders Die6
Jun 22, 2017
All Cheerleaders Die sollte sich seiner Story schämen: Eine Truppe strohdummer Cheerleader mit dem possierlichen Spitznamen **** zickt zu viel herum und bezahlt dafür mit dem Leben. Eine lesbische Gothic-Hexe holt die meist halb nackten Mädels per Voodoo-Ritual wieder zurück, worauf die sich dezent blutig an ihren gleichsam hohlen Peinigern rächen. Frauen schütteln hierbei verständnislos den Kopf, ebenso jeder denkende Mann. Bei abgeschaltetem Hirn jedoch entwickelt sich All Cheerleaders Die aufgrund hübscher Mädels, hohem Tempo, einem guten Soundtrack und jeder Menge Überraschungen zum vergnüglichen Partyfilm – wenn man das schrille Kreischen der auch nach dem Tode nervigen Cheerleader aushält.
Jun 22, 2017
The Raid 27
Jun 22, 2017
The Raid schlug im Martial-Arts-Genre ein wie eine Bombe: Brutale Kloppereien und Schusswechsel, ein rasanter Schnitt und ein klaustrophobisches Apartment-Setting machten die indonesisch-amerikanische Produktion zu einer atemlosen Erfahrung. Trotzdem will Regisseur Gareth Evans in The Raid 2 noch mehr. Dafür addiert der Brite Spielzeit, Schauplätze, Kämpfer – und literweise Blut. Auch der Plot geht tiefer – was dem Film deutlich an Tempo nimmt. Die karge Geschichte um zwei Gangsterbanden im Clinch ist nämlich moderat spannend und schießt mit seinen extrem auf Style getrimmten Figuren übers Ziel hinaus: Der hinkende Bösewicht mit Stock und Scheitel und die mit Zimmermannshämmern kämpfende Brillenschlange wollen auf Teufel komm raus böse sein, erreichen damit aber eher das Gegenteil. All das vergisst man jedoch sofort, wenn die Action wieder einsetzt: Die Kämpfe toben auf oft interessanten Bühnen wie einem schlammigen Gefängnishof und sind ein weiteres Mal hervorragend choreographiert, wahnsinnig schnell und ultrabrutal. Eine beeindruckende Fortsetzung – die jedoch auch ohne 50 Zusatzminuten auskäme.
Jun 22, 2017
Joe7
Jun 22, 2017
Ex-Häftling Joe (Nicolas Cage) ist hauptberuflicher Baumtöter irgendwo im US-amerikanischen Hinterland. Gegen aufgestaute Aggressionen betrinkt er sich, besucht Prostituierte oder schneidet auch mal Steaks aus ganzen Hirschen. Das Bodenständige hat jedoch jäh ein Ende, als er den 15-jährigen Gary unter seine Fittiche nimmt, dessen psychopathischer Saufvater Obdachlosen für eine Flasche Wein den Schädel einschlägt – und auch zu Hause gerne austeilt. Da in Joe trotz prolliger Sprüche und gelegentlicher Ausbrüche ein gutes Herz schlägt, greift er ein – mit verheerenden Konsequenzen. Durch einen unsäglichen Untertitel hierzulande als Rache-Thriller vermarktet, ist Joe – Die Rache ist sein in Wirklichkeit ein grimmiges Sozialdrama. David Gordon Greens Film punktet mit charmanten Wortwechseln, wunderschönen Naturaufnahmen und einem ungewohnt charakterstarken Nicolas Cage, während die Haupthandlung leider etwas fragmentiert daherkommt.
Jun 22, 2017
Nightcrawler9
Jun 22, 2017
Lou Bloom (Jake Gyllenhaal) ist ein Nightcrawler, ein Kameramann auf der Suche nach dem ultimativen Shot, ein Medienraubtier im Jagdrevier Los Angeles. Hier liegt das Geld auf der Straße, denn Autounfälle, Festnahmen und Raubmorde wandern direkt zum meistbietenden Sender. Der Job ist hart, die Konkurrenz groß, doch Lou lernt schnell: Mit messerscharfen Sprüchen, die in ihrer eiskalten Kalkül erschreckender sind als das blutige Filmmaterial, gewinnt er das Vertrauen von Programmchefin Nina (Rene Russo) – die ihn zu immer rücksichtsloserer Arbeit anstachelt. Ein wahrhaft ekelhafter Mensch, brillant gespielt von einem abgemagerten Gyllenhaal, der buchstäblich über Leichen geht. Dan Gilroys packende Mediensatire gibt sicher keine neuen Erkenntnisse, wohl aber einen kompromisslosen Einblick in ein Tagesgeschäft ohne jedwede Menschlichkeit und Moral.
Jun 22, 2017
Fading Gigolo7
Jun 22, 2017
Plötzlich Gigolo startet wie ein 70er-Schmuddelporno: Swingunterlegt und im körnigen 4:3-Format. Ein augenzwinkernder Einstieg – denn mit albernen Sexfilmchen hat John Turturros Regiedebüt überhaupt nichts am Hut. Turturro mimt den Blumenverkäufer Fioravante, den Kumpel Woody Allen aus Geldnot zur Sexfachkraft ummodelt. Als Virgil Howard und Dan Bongo ziehen die zwei im denkbar unpassendsten Umfeld – dem jüdischen Teil Brooklyns – ein Gigolo-Business auf. Das inszeniert Turturro angenehm gefühlvoll und klischeefrei, indem er statt Culture-Clash- und Sex-Klamauk lieber ernstere Themen wie Selbstfindung, Trauerbewältigung und sexuelle Befreiung in den Mittelpunkt stellt. Vanessa Paradis etwa überzeugt als verkrampfte Witwe, die lediglich durch die sanfte Berührung Fioraventes ins Leben zurückfindet. So spricht Plötzlich Gigolo – seinem unpassenden deutschen Titel zum Trotz – ein erwachsenes Publikum an – und nicht die Eis am Stiel-Fans darunter.
Jun 22, 2017
Honeymoon6
Jun 22, 2017
Mit idyllischen Bildern, sanftem Klavierspiel und einem aufdringlich umherturtelnden Ehepaar ist der Haus-am-See-Horrorfilm Honeymoon fix im Thema. Der kitschige Liebesreigen bricht jedoch jäh ab, als Paul seine Frischfrau Bea schon in der zweiten Nacht verstört und zudem nackt im Wald auffindet. Flugs gehen die romantischen Flitterwochen den Bach herunter: Scheinbar grundlos pendelt Bea zwischen teilnahmslos und aggressiv, sodass Paul verzweifelt versucht, eine Ehe zu retten, die gerade erst begonnen hat. Bissspuren an Beas Oberschenkel zeigen schließlich, dass ein Eheberater hier nicht helfen kann. Regisseurin Leigh Janiak inszeniert ihr Debüt als intensives Kammerspiel – das sich später leider zum mäßig spannenden Sci-Fi-Grusler entwickelt.
Jun 22, 2017
The Strange Color of Your Body's Tears2
Jun 22, 2017
Ein Mann kommt nach Hause, findet seine Wohnungstür verschlossen und seine Frau überhaupt nicht vor. Es folgt die obsessive Suche durch sein wunderschön-verstörendes Brüsseler Jugendstil-Haus, welche die Regisseure Hélène Cattet und Bruno Forzani (Amer) fragmentarisch und völlig handlungsfrei inszenieren. Der Tod weint rote Tränen weiß um seine Giallo-Vorbilder und zieht das komplette Arty-Farty-Register: Die blut- und brustlastige Szenerie steht Kopf, verzerrt, verbiegt und spiegelt sich, ganze Sequenzen verlaufen in schwarzweißen Standbildern. Die Totale gibt es quasi nicht, nur extreme Nahaufnahmen. Das ist manchmal audiovisuell brillant, meist aber schlicht nervtötend. Denn Cattet und Forzani nehmen keinerlei Rücksicht auf den Zuschauer, unterbrechen jede stimmungsvolle Szene abrupt mit grellem Weiß oder einer penetranten Türklingel. Trotz aller Kunst bleibt der Film seltsam gefühllos: Erotik ist nicht erotisch, der Tod nicht erschreckend. Der Tod weint rote Tränen ist ein Film, bei dem wenige gebannt sitzenbleiben – während viele entnervt den Kinosaal verlassen.
Jun 22, 2017
What We Do in the Shadows9
Jun 22, 2017
Was machen Vampire eigentlich sonst so? Mit dieser Frage beschäftigt sich die hervorragende Mockumentary 5 Zimmer Küche Sarg, in der ein Kamerateam die Blutsauger Deacon, Viago und Vladislav im Alltag begleitet. Die Regisseure Jemaine Clement (Flight of the Conchords) und Taika Waititi (Eagle vs. Shark) verweben dabei so geschickt Vampirmythen und Menschwahrheiten, dass die Fake-Doku gleichsam witzig wie authentisch ist: Der Gang in die Diskothek ist ohne Einladung unmöglich, der nächtliche Imbissbudenbesuch führt zu furchtbarem Bluterbruch, die Ersttransformation gleicht einem Drogen-Kaltentzug. Zudem klären Clement und Waititi ganz beiläufig Fragen, auf die nicht einmal Bram Stoker eine Antwort wüsste: Warum stehen Vampire auf Jungfrauen? „Würdest du ein Sandwich essen, das vorher jemand gevögelt hat?“ antwortet Vladislav bierenst. In seinem Kosmos noch realistischer wird 5 Zimmer Küche Sarg durch die geniale Idee, jeder Figur einen prototypischen Vampir-Charakter zuzuweisen – Bestie, Dandy, Pfähler – und der schlauen Einbindung historischer Dokumente und Kunstwerke. Während der Schlüssel zum guten Found-Footage-Film vor allem im Handwerklichen liegt, benötigt die Mockumentary zwingend eine überzeugende Kernidee – 5 Zimmer Küche Sarg schafft beides spielend.
Jun 22, 2017
Almost Human3
Jun 22, 2017
Rauschebart Mark verschwindet in einem Lichtstrahl und taucht zwei Jahre später nackt im Wald wieder auf. Was passiert ist, erzählt Almost Human nicht. Fest steht: Mark ist neuerdings sauböse und schlachtet mit Axt und Schrotgewehr die Kellnerinnen und Holzfäller seiner Kleinstadt ab. Spätestens als der charmante Mützenträger jedoch einen ekligen Wurm ausfährt, seine Nachbarn zu Kokons penetriert und hochfrequentiert kreischt, klingelt es: Almost Human ist nicht Falling Down, sondern eher Angriff der Körperfresser. Das Zeug zum Klassiker fehlt Joe Begos’ Sci-Fi-Horrorfilm aber: Die Akteure sind mies, die Inszenierung plump: So untermalt nahezu jeder Tod derselbe Störsound. Als schließlich selbst Kamerazooms und Kopfdreher schrille Streicher begleiten, mutiert Almost Human von vorhersehbar zu lächerlich.
Jun 22, 2017
It Follows8
Jun 22, 2017
Spätestens seit Wes Cravens Scream weiß jeder: Im Horrorfilm ist nichts gefährlicher als Sex. Das erfährt auch die hübsche Jay in David Robert Mitchells It follows am eigenen Leibe. Nach einem Date mit abschließendem Geschlechtsverkehr verfolgen sie stumme Unbekannte in Küche, Wald und Wohnzimmer, bei Kontakt winkt ein furchtbarer Abgang. Warum, weiß weder sie noch der Zuschauer. Und so erlernt er wie Jay mit holprigen Schritten das bösartige Regelwerk hinter den Attacken der nackten, glotzenden, manchmal inkontinenten Besucher. Denn der Fluch hat System – ganz wie in The Ring – und es gibt kein Entkommen. Das ist unangenehm, in seinen spannendsten Momenten sogar purer Terror. Der Plot entwickelt sich zwar kaum, der Film endet fast, wie er begann – das stört aber nicht. Denn mithilfe von Mitchells interpretationsoffener Erzählweise und des pluckernden Synthie-Scores von Disasterpeace wagt It follows die Experimente eines Indiefilms – ist dabei aber unterhaltsam wie ein Blockbuster.